Informationen für Volontäre

1. Ein Brief vom 24.03.2010, von Anne Esselbrügge nach sechsmonatigem Aufenthalt im Shishu Mandir geschrieben: Bitte hier lesen.



2. Vorab-Information

Kurze Information über das Land Indien und Bangalore

Indien hat ca. 1 Milliarde Einwohner, stetig steigend. Die offiziellen Amtsprachen sind Hindi und Englisch. Jeder Staat hat jedoch eine oder gar mehrere offizielle Sprachen. Die Amtssprache des Bundesstaates Karnataka, dessen Hauptstadt Bangalore ist, ist Kannada. Über 80% der Bevölkerung sind Hindus, ca. 12% Moslems, 6% Christen, 2% Sikhs, Buddhisten und andere Religionen.
Die Währung heißt indische Rupien. 100 Paise sind 1 Rupie. 1 Euro sind ungefähr 52 Rupien.
Die Zeitverschiebung beträgt im Sommer 3,5 und im Winter 4,5 Stunden.

Bangalore hat ca. 5,5 Millionen Einwohner und steht an dritter Stelle der schnell wachsenden Städte in der Welt. Ihr werdet dort mit Krach, Chaos und Dreck konfrontiert. Shoppen im modernen Einkaufszentrum ist dort genauso möglich wie das Besuchen eines alten Tempels und das Beiwohnen bei religiösen Ritualen.
Als "Weiße"sind wir Gäste und Fremde in diesem Land. Dementsprechend sollten wir uns verhalten und fremde Sitten und Bräuche versuchen zu verstehen und zu akzeptieren. Obwohl Bangalore eine moderne Stadt ist, sind im Besonderen Frauen nicht vor neugierigen Blicken geschützt. Das ist gewöhnungsbedürftig und für viele störend und lästig. Auch gibt es kaum etwas wie Privatsphäre, ihr müsst damit rechnen, oft und immer wieder mit den gleichen Fragen angesprochen zu werden. Unsere Erfahrung war jedoch, dass, wenn man sich auf ein Gespräch einlässt, nicht selten ein sehr netter Plausch daraus entstehen kann, und so neugierig wie die Inder einem begegnen, kann man selber auch sein! Wenn es einem zu viel wird, sollte man lernen, zu ignorieren und nein zu sagen!
Bangalore liegt auf einem Hochplateau, durch diese Höhenmeter ist das Klima im Vergleich zum nahe gelegenen Chennai (Madras) sehr angenehm! Dennoch könnt ihr mit Temperaturen von 20 bis zu 40 Grad rechnen, plant also dementsprechend eure Kleidung ein (siehe auch Unterpunkt Kleidung). Die heißesten Monate sind März bis Mai, dann kühlt es sich mit dem einsetzen des Monsuns ab. Während dieser Zeit ist mit heftigen Regengüssen und starken Temperaturgefällen zu rechnen.

Checkliste Reisevorbereitungen

  • Impfungen und Prophylaxen: (bitte auf jeden Fall beim Arzt erfragen, es kommt immer darauf an, ob ihr im Lande herumreisen wollt) Für Bangalore selber ist eine Malariaprophylaxe als stand by-Medikament sinnvoll, also einfach mitnehmen und im Ernstfall (bei Schüttelfrost und nach Nachweis der Erreger im Blut) evtl. einnehmen
  • Reiseapotheke: Eigentlich ist fast alles im Shishu vorhanden, trotzdem ist ein gutes Kopfschmerzmittel, und vor allem ein Durchfallmittel und Bauchschmerzmittel sehr empfehlenswert! Ebenso sollte ein gutes Mückenmittel vorhanden sein (bloß nicht das weiße Autan, das hat den Volontärs-Härtetest nicht bestanden!). Auch hier den Arzt oder in der Apotheke nachfragen.
  • Visum: Für alle, die nicht länger als 6 Monate bleiben, reicht ein Touristenvisum, das bis zu 6 Monaten gültig ist. Dieses kann per Post oder auch persönlich in Frankfurt/Hamburg/Berlin beantragt werden (persönliche Beantragung ist schneller und unkomplizierter, aber eben in Frankfurt).
    Für alle Volontäre die 6 Monate und länger bleiben wollen, muss auch ein Touristenvisum beantragt werden, das jedoch verlängert werden muß. Dazu fliegt man nach Colombo, um es dort vor Ort neu zu beantragen. Plant also diese Reise finanziell mit ein!
    Für Visen gilt: Sie sind ab Ausstellungsdatum gültig, da die Ausstellung auf dem Postweg nur ca. 10 Tage dauert, und bei persönlicher Beantragung noch am selben Tag abzuholen ist, müsst ihr das unbedingt bei der Zeitplanung berücksichtigen, also möglichst kurzfristig beantragen. Visumsinformationen erhaltet ihr unter folgender Adresse: www.indianembassy.org
  • Auslandszusatzversicherung: Ist sinnvoll, könnt ihr bei eurer jeweiligen Krankenkasse beantragen.
  • Geld: Empfehlenswert ist die Kombination aus EC-Karte und Traveller cheques. Bei der Postbank zum Beispiel sind vier Auslandsabhebungen kostenlos! Traveller cheques lassen sich sehr gut bei Thomas Cook auf der M.G. Road einlösen, Bankautomaten mit Visa/Visa plus Funktion befinden sich direkt auf der Cambridge Road.
  • Kleidung: Es empfiehlt sich, luftige, leichte Baumwollkleidung mitzunehmen, die nicht zu eng sitzt. Die Schultern sollten bedeckt sein, ebenso die Knie (besonders für weibliche Volontäre wichtig). T-Shirts etc., die nicht zu eng sitzen und zu weit ausgeschnitten sind, können aber getragen werden.
    Generell: Wenig Kleidung mitnehmen! Das meiste kauft ihr euch sowieso vor Ort!! Also ruhig nur für die erste Woche Kleidung einplanen.
  • ein Paar feste Schuhe, und ein paar Flip Flops oder Badelatschen
  • Regenjacke ist auch empfehlenswert, gerade während der Monsunzeit (Juni bis ca. Oktober)
  • Badeanzug für den Schwimmunterricht in der Schule, Bikini nur, wenn ihr vorhabt nach Goa zu reisen, ansonsten könnt ihr damit nichts anfangen...

Sonstiges zum Mitnehmen:

  • einen stabilen, nicht zu großen Rucksack (für die Schule und für Ausflüge)
  • Taschenmesser
  • Taschenlampe
  • Musikinstrumente sind sehr willkommen und im Shishu sowie in der Schule gut einsetzbar. Eine Gitarre ist im Shishu vorhanden.
  • Eure privaten Kosmetika, Toilettenartikel, gibt es alles dort zu kaufen, also nicht auf Vorrat mitnehmen das ist nur Platzverschwendung, es sei denn ihr braucht ganz spezielle Dinge...
  • Klopapier ist allerdings nicht gestattet, da es zum Verstopfen des Abflußsystems führt. Das Reinigen mit Wasser ist gewöhnungsbedürftig, aber schließlich sehr angenehm. Man bekommt ein besseres Gefühl von Sauberkeit.
  • Filme sind leider ziemlich teuer, das gute Aldi-Zweierpack von Kleinbildfilmen ist deshalb unschlagbar.
  • Unterrichtsmaterial: Dies können beispielsweise Spielideen für Gruppenspiele/ Bewegungsspiele sein, oder aber auch einfache Singspiele auf Englisch, Kinderlieder auf Kassette oder CD. Noten erweisen sich auch für euch als praktisch, vor allem, wenn ihr ein Instrument spielen könnt. Die Kinder selber können keine Noten lesen. Am besten ist immer, wenn ihr Lieder auf Kassette/CD habt und den dazugehörigen Text. Ansonsten evtl. Spielregeln für die üblichen Sportarten wie Basketball (sehr beliebt), aber auch Cricket (indisches Nationalspiel mitbringen.
    Für Kunst ist es ganz schön, sich evtl. Unterrichtsreihen zu überlegen, die auch mit handwerklichen Fähigkeiten wie basteln, etc. zu tun haben.
    Auch sind kleine Instrumente für den Musikunterricht, wie zum Beispiel Glockenspiele oder kleinere Rhythmusinstrumente gut!
    CD-Spieler samt Boxen ist vor Ort vorhanden

Bitte zu Hause lassen:

  • Wörterbücher!!! Die sind massenweise im Volontärsraum vorhanden, es sei denn ihr nehmt euch ein Mini-Wörterbuch für die Schule mit, aber ansonsten ist es sehr überflüssig...
  • Dasselbe gilt für Stadtführer von Bangalore sowie Bücher über Indien, alles da!! Genauso wie andere Lektüre vorhanden ist!
  • Sonnencreme, auch die ist vorhanden!

3. In Indien

Gegebenheiten vor Ort

  • Ihr wohnt im Shishu. Das Zimmer für Volontäre ist ein Zimmer neben dem Büro. Es ist nicht besonders groß, aber für die Bedürfnisse völlig ausreichend, außerdem werdet ihr dort sowieso nur zum Schlafen sein, denn Bangalore und die Arbeit mit den Kids ist viel zu aufregend, um sich im Zimmer aufzuhalten
  • Neben dem Office befindet sich auch ein Badezimmer mit Toilette (indisch natürlich), Waschbecken sowie Dusche, das so gut wie ausschließlich von den Angestellten und den Volontären benutzt wird.
  • Frühstück, Mittag- sowie Abendessen bekommt ihr im Shishu, gegessen wird mit den Kindern zusammen, zu mehr oder weniger festgelegten Zeiten.
  • Bettwäsche und Kissen braucht ihr nicht mitzubringen, sie werden vom Shishu gestellt
  • Handtücher könnt ihr mitbringen, da sowieso immer zu wenig da sind, theoretisch werden diese aber auch vom Shishu gestellt
  • Es befindet sich ein größeres Geschäft in der Nähe, dort könnt ihr alles kaufen, von Essen bis zu Drogerieartikeln. Außerdem befinden sich Apotheken und kleinere Läden direkt auf der Cambridge Road, also um die Ecke.
  • Die gesundheitliche Versorgung wird bei kleineren Problemen vorzüglich von den "Aunties" im Heim geleistet, bei größeren Schwierigkeiten kümmert sich der Shishu eigene Arzt oder das "westlich orientierte" Manipal Hospital in der Stadt um euch.
  • Fortbewegungsmittel in Bangalore ist die motorisierte Autoriksha. Die Rikshafahrer in Bangalore sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre "metres" anzustellen, die den Preis anzeigen. Man muß aber darauf achten, dass der Zähler angestellt wird.
  • Ihr könnt euch in eurer Freizeit frei bewegen, lasst euch jedoch erst von den anderen Volontären mitnehmen, um das Riksha fahren zu üben, außerdem sehen anfangs alle Straßen gleich aus...

Übersicht über die einzelnen Aufgaben und Dienste der Volontäre
Im Grunde genommen ist es den einzelnen Volontären vor Ort überlassen, wie sie ihre Arbeit organisieren. Die folgende Beschreibung bietet daher nur grob eine Übersicht über anfallende Aufgaben, die von den Volontären "meiner Generation" so eingeteilt wurden.

Der Dienst für die Kleinen (Vorschulkinder): Von ca. 6:00 Uhr bis 18:30 Uhr

  • Den Kindern wird gegen 7:30 Uhr das Frühstück gegeben, sie werden gegen 8:30 Uhr gebadet und ihnen wird beim Zähneputzen geholfen. Danach wird angezogen und gewickelt.
  • bis 12:00 Uhr kann die Zeit frei gestaltet werden, durch spielen, spazieren gehen, Puzzle legen, Bilderbücher angucken etc....
  • Um 12:00 Uhr wird Mittag gegessen. Die Praktikanten helfen den Kindern, mit dem Essen fertig zu werden, also Löffel zu halten, den Mund zu schließen, das Essen nicht über den Rand hinaus zu schieben etc. Anschließend essen die Praktikanten selbst.
  • von 12:30 bis 15:00 Uhr ist Mittagspause: die Kinder halten Mittagsschlaf.
  • ab 15:00 geht es meistens in den nahegelegenen Park mit den Kindern
  • um 18:00 gibt es dann das Abendessen, und die Kinder werden bettfertig gemacht (umziehen, Zähne putzen...)

Der Dienst mit den Schulkindern: Von ca. 16:00 Uhr bis 21:00 Uhr

  • Der Dienst beginnt, wenn die Kinder nachmittags von der Schule heimkehren (meist gegen 16:00/16:30 Uhr).
    Die Kinder werden bei ihren Hausaufgaben beaufsichtigt. Es kann geholfen werden, allerdings ist es wichtig, dass keine Lösungen vorgesagt werden bzw. auch Lösungswege selber erarbeitet werden, da sonst die "Ergebnisse" der Hausaufgaben verfälscht sind und der Lehrer die Kinder nicht nach dem wirklichen Leistungsstand beurteilen kann.
  • Um 18:30 Uhr beginnt das gemeinsame Abendessen für die "Großen" und die Volontäre.
  • Danach sollen restliche Hausaufgaben erledigt und die Schultasche für den nächsten Tag gepackt werden. Das muß allerdings bei einigen strengstens überwacht werden.
  • Die Zeit bis zur Bettruhe kann mit einer individuellen Abendgestaltung (zweimal die Woche) ausgefüllt werden, wie beispielsweise Abendspaziergang, gemeinsame Spiele, gemeinsames Handarbeiten wie Häkeln und Stricken oder gemeinsames Musikhören. An den anderen Abenden der Woche sollen die Kinder die Zeit bis zur Bettruhe mit Lernen verbringen, auch wenn keine Tests anstehen!
  • Bettruhe ist unter der Woche (also Sonntagsabends bis Donnerstagsabends) um 21:00 Uhr! Das heißt, alle Kinder müssen um diese Zeit fertig umgezogen und mit geputzten Zähnen im Bett liegen. Das Licht wird von den Volontären ausgemacht, wenn sie sich überzeugt haben, dass jeder gut oder saisongemäß zugedeckt ist und die Kinder einigermaßen zur Ruhe gekommen sind.
  • Bettruhe am Wochenende (Freitags und Samstags) ist um 22:00 Uhr.

Geetha

  • Geetha wohnt im Shishu Home und arbeitet als Sekretärin in der Shishu School.
  • Sie muss dreimal in der Woche (Dienstags, Donnerstags und Samstags) zur Dialyse ins Manipal Hospital.
  • Die Aufgabe der Volontäre besteht darin, Geetha abends von der Dialyse abzuholen, da sie oftmals zu geschwächt ist.
  • Dazu muss zunächst telefonisch beim Manipal Hospital im Dialyse-Zentrum die "Closing time" erfragt werden, zu der Geetha voraussichtlich abgeholt werden kann.
  • Das Abholen erfolgt per Riksha.
  • Das Geld für die Riksha muss sauber und nachvollziehbar dokumentiert werden und kann (meist gegen Monatsende) bei Alice eingefordert werden.

Es soll noch einmal betont werden, dass die Dienste ungefähr so ablaufen können, aber auch je nach Anzahl der Kinder beispielsweise umorganisiert werden müssen.
Die genaue Einarbeitung erfolgt vor Ort von den vorherigen Volontären. Diese holen euch auch vom Flughafen ab und kümmern sich um eure schnelle Eingewöhnung ins Shishu sowie Indien und Bangalore. Von Deutschland aus hört sich alles komplizierter an als es ist, und man durchschaut relativ schnell die Struktur und kennt die Abläufe. Für weitere Fragen richtet euch bitte an die unter dem Menüpunkt Kontakt angegebenen Adressen. Dort erhaltet ihr auch Informationen zum Bewerbungsverfahren. Es kann etwas dauern, bis Bettina euch antwortet, da sie sehr beschäftigt ist. Ansonsten könnt ihr euch auch direkt an Frau Dr. Hella Mundhra per Mail wenden.

Karola Körber, März 2006

 

 


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