Newsletter Februar 2008

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Liebe Shishu Freunde,

wieder einmal möchte ich Ihnen gerne einige Eindrücke übermitteln, besonders nach diesem einmaligen Erlebnis unserer 25-Jahrfeier.

Die Jubiläumsfeier am 01.01.08 war in der Tat ein berauschendes Fest, das durch die zahlreichen äußerst gelungenen Darbietungen der Kinder - insbesondere ihrer Tanzkunst in ihren farbenprächtigen Gewändern und so graziösen Armbewegungen - das Publikum beeindruckte und begeisterte.
Sie waren mit Herz und Seele dabei und ernteten für ihre kunstvollen volkstümlichen Tanzvorführungen - ich erwähne nur den Tanz mit einem Wasserkrug auf dem Kopf oder den klassischen Bharatnatyam-Tanz - große Anerkennung. Unter den ca. 2500 Gästen befanden sich 36 Gäste aus Deutschland, die neben dem Fest und den Einweihungsfeierlichkeiten auch einen Besuch in den umliegenden Dorf-Slum-Siedlungen machen und eventuell auch ihr Patenkind zu Hause besuchen konnten. In den 25 Jahren war auch in den Dörfern einiges entstanden: 21 ‘Häuschen’, die lebenswichtige Zufahrtsstraße zum Steinbruch, der Gemeindesaal, in dem ein Kindergarten und eine Hausaufgabenbetreuung stattfinden, weitere Hausaufgabenkreise, Sparvereine und etliches mehr. Abgerundet wurde der Aufenthalt aller Gäste durch ein persönlich organisiertes Programm, z.B. zu historischen Stätten oder zu Wildlife Parks, oder man unternahm eine Schiffsreise in den landschaftlich reizvollen Backwaters von Kerala. Indien bietet eben jedem etwas.

Pünktlich zum großen Fest wurden einige ‘Festschriften’ fertig: einmal meine Biografie in englischer Sprache (die man mir aufgenötigt hatte), um allen ‘Shishu-Familienmitgliedern’ zu zeigen, wer das Shishu mit seiner Familienstruktur begründet hatte.
Zum anderen wurde eine Festschrift - Souvenir - herausgegeben, die mit Bildern und Texten einen Überblick über alle Entwicklungen im Heim, in der Schule und in den Dörfern ringsum gibt. Sie zeigt auch alle ehemaligen Shishu-Kinder, die jetzt bereits im Leben stehen.
Weiterhin wurde ein englischsprachiger Dokumentationsfilm fertig gestellt, der kurz und knapp, doch ausführlich genug die Arbeit und die besondere Ausrichtung unseres Shishu Mandir darstellt. Er soll in der Hauptsache zur Information der Wirtschaftsunternehmen und insbesondere der in Bangalore stark vertretenen Computerindustrie dienen. Ein Pendant in deutscher Sprache ist seit dem Sommer 2007 fertig und kann bei mir bestellt werden [02452-977 4999].

Schließlich wurde auch unser Liederbuch, das von unserer Praktikantin Verena Lowinski bereits vor einem Jahr überarbeitet und mittels Computertechnik ausgesprochen verschönt worden war, mit einem ansehnlichen Deckblatt versehen und gedruckt. Es ist eine Sammlung all der Lieder, die im Laufe der 25 Jahre im Shishu Einzug gehalten haben und sozusagen ‘Schlager’ geworden sind. Erstaunlicherweise haben einige Schulen der Umgebung ihr Interesse an unserem Liederbuch angemeldet.

Last not least - kam ein Shishu-Kalender mit sehr schönen Aufnahmen heraus. Er ist in erster Linie für den indischen Alltag gedacht, da er alle indischen Feiertage enthält, doch wegen seiner schönen Bilder durchaus auch in einer deutschen Wohnung denkbar.

Unser neu geschaffenes Ausbildungszentrum (siehe unten) - Community College genannt - ist seit dem 11. Januar mit einem Nähkurs in Betrieb genommen worden. 16 junge Mädchen mit sehr unterschiedlicher Vorbildung waren ausgewählt worden, diesen Kurs zu machen. Eines war allerdings allen gemeinsam: Sie waren schüchtern, gehemmt, standen mit verschränkten Armen und niedergeschlagenem Blick da und konnten kaum ihren Namen sagen. Neben dem Nähkurs lernen sie Englisch und allgemeine Lebensführung, und einmal wöchentlich haben sie eine Besprechung mit Herrn Anand. Erstaunlicherweise war bereits nach einem Monat ein deutlicher Wandel zu sehen. Sie konnten nicht nur freier sprechen, sondern auch ihr Gegenüber anlächeln. Diese Jugendlichen wollen nur noch im Shishu bleiben und weiter lernen.

Der Schulerweiterungsbau ist bisher nur zu einem kleinen Teil in Beschlag genommen worden: Herr Anand hat erstmalig ein eigenes Büro, da die Sekretärin und die Kassenführerin ein eigenes Zimmer bekommen haben, natürlich durch eine Tür mit dem Büro von Herrn Anand verbunden. Es war ein besonderes Erlebnis, das Büro mit allen Computern, Batterien, Tischen, Schränken und Akten in einer großen Sonntagsaktion umzusiedeln, bei der etliche Schüler beteiligt waren und das Gefühl von einer wichtigen und schönen Gemeinschaftsarbeit bekamen. Außer diesen beiden Räumen haben auch die Lehrer ihr Lehrerzimmer in das neue Gebäude verlegt und auch die vier oberen Klassen, unsere Großen. So ist im ersten Schulgebäude wieder Platz für 20 Kleine, die ab Ende Mai Einzug halten werden.

Damit benötigen wir wieder 20 Patenschaften. Dieses Jahr gelang es uns erst im Januar, allen Kindern des letzten Jahres eine Patenschaft zu vermitteln. Der Betrag von 36 Euro pro Monat könnte auch aufgeteilt werden, so dass ein Kind eventuell zwei Paten hat. Leider haben 5 Kinder nach Jahren ihre Paten verloren, so dass wir auch für diese schon älteren Kinder - zwischen 9 und 17 Jahren - neue Paten suchen. Wir hoffen sehr, dass wir in diesem Jahr schneller erfolgreich sind.

Hilfe benötigen wir auch noch in anderen Bereichen. Im Ausbildungszentrum würden wir Lehrkräfte begrüßen, die eventuell für sechs Monate bei uns mitarbeiten, um unseren Betrieb auf sichere Füße zu stellen. Zwar werden wir Richtlinien und Lehrpläne von ähnlichen Instituten bekommen, aber unser Lehrpersonal dürfte anfangs noch viel Unterstützung brauchen. Für solche Mitarbeit aus Deutschland können wir allerdings nur Unterkunft und Verpflegung bieten.

Der Rundgang durch die Dörfer unserer Kinder machte deutlich, welch unsagbare Armut und Not noch in den meisten Familien herrscht, allein weil sie kein wetterfestes Dach über dem Kopf haben, oft keine Elektrizität, keine Toiletten und kein fließend Wasser. Viele Hütten sind so eng und flach, dass man darin nicht einmal überall aufrecht stehen, noch mit allen Familienmitgliedern darin schlafen kann.
An Ventilation ist natürlich gar nicht zu denken. Wenn solche Hütten auf den Namen der Familie eingetragen sind, also der Grund und Boden ihnen gehört, könnten wir ihnen helfen, ein kleines stabiles Häuschen darauf zu bauen. Es bedarf allerdings einer Spende von 1100 Euro für ein Häuschen. Das Elend ist unermesslich, und jede Zuwendung ist ein großes Geschenk. Auf dem Rundgang fühlte man sich wie auf einem anderen Planeten, auch die Wege waren so uneben, dass unser Schulbus manchmal umzukippen drohte.

Ein ganz anderes Gebiet, auf dem wir aber ebenso dringend Unterstützung brauchen, ist unsere seit Jahren bestehende und nie aktualisierte Website, die förmlich nach einer Generalüberholung schreit. Wir bräuchten jemanden, der sich mit der html-Technik des Zubereitens und Hochladens von Texten und Bildern auskennt und eventuell auch die gänzlich veraltete Website neu gestaltet. An regelmäßiger Arbeit fällt nicht viel an, da wir nur ein bis zwei Rundbriefe, den Jahresbericht und die Protokolle der Versammlungen veröffentlichen. Lediglich die ‘Reanimation’ dürfte mehr Arbeitszeit und designerisches Talent erfordern.

Desgleichen wären wir über eine flächendeckende Werbung für Praktikantinnen an verschiedenen Hochschulen sehr dankbar. Ein entsprechender Vordruck kann auf Anforderung zugestellt werden. Solch ein Praktikum von mindestens 4 Monaten ist für beide Seiten von großem Wert.
Wir in Indien haben den Vorteil, junge, weltoffene Menschen mit sozialem Gewissen in unseren Dienst zu nehmen, und die Praktikantinnen haben die Chance, in einer gesicherten Institution zu leben und in unmittelbaren Kontakt mit der indischen Kultur zu kommen. Nicht wenige haben uns immer wieder besucht, da sie mit den Menschen der Shishu-Gemeinschaft einen engen Kontakt aufgebaut hatten.

Natürlich sind wir auch über jedes neue Vereinsmitglied hoch erfreut. Man kann auch aus der Ferne aktiv teilnehmen! Und natürlich sind weitere Vereinsbeiträge, aus denen unsere Sachkosten in Deutschland bestritten werden, höchst willkommen: 36 Euro im Jahr. Nochmals meine Nummer: 02452-9774999.


Noch ein Wort zum Spendengütesiegel: Das von der DZI vergebene Gütesiegel über die Glaubwürdigkeit einer Organisation könnten wir ohne Schwierigkeiten bekommen. Aber die Kosten sind für uns als so kleine Organisation mit 1000 Euro PRO JAHR viel zu hoch, als dass es sich für uns lohnte. Wir müssen also weiterhin ohne das offizielle Spendensiegel arbeiten, das allerdings keine Garantie gegen Misswirtschaft bietet, wie gerade jetzt offensichtlich geworden ist, und hoffen immer wieder auf Ihr Vertrauen.

Über Anregungen oder Stellungnahmen jeglicher Art würde ich mich sehr freuen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Hella Mundhra




Geschmückter Eingang
 
Gästeschar
 
Die Gründerin Hella Mundhra
 
Tanz unserer Schülerinnen
 
Tanz mit Krügen
 
Koushalya glänzt im Bharatnatyam-Tanz
 
Das neu eingeweihte Ausbildungszentrum
 
Kumaris altes Haus
 
Kumaris neues Haus

 

 


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