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     Das Kinderheim

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Das Kinderheim, von den Kindern liebevoll "Shishu" genannt, entstand 1983 aus der medizinischen Fürsorge des Ärzteehepaares Mundhra. Die beiden wollten die schwerstkranken Kinder der von ihnen betreuten Notstandsgebiete einer sicheren Zukunft zuführen. Sie richteten ein Heim ein, dem sie den Charakter einer Großfamilie gaben. Zu jeder Zeit befinden sich dort ca. 30 Kinder im Alter von ein paar Tagen bis zu 25 Jahren. Das Verhältnis von Mädchen zu Jungen entspricht etwa der Relation 3 : 1.

Hin und wieder werden Säuglinge oder auch größerere Kinder im Shishu zur Adoption abgegeben, da das Heim seit 1991 die Lizenz der indischen Regierung zur Adoptionsvermittlung besitzt. Diese Kinder finden immer häufiger adoptionswillige Eltern in Indien, so dass nur ein sehr kleiner Teil zur Auslandsvermittlung bleibt. Darunter befinden sich dann häufig kranke Kinder, Kinder mit kleinen Missbildungen, Kinder mit einer Geistesbehinderung oder Geschwisterkinder, die zusammen vermittelt werden sollen. Die Adoptionsvermittlungsdauer für Auslandsvermittlungen beträgt in der Regel ein Jahr.


Ausbildung der Kinder

Alle Kinder - ob sie bei uns aufwachsen oder nur vorübergehend bei uns leben, da sie zur Adoption anstehen - gehen in unsere eigene Shishu-Mandir-Schule, sobald sie das schulpflichtige Alter erreicht haben. Anschließend besuchen sie Colleges oder andere Ausbildungsstätten, und seit 2008 unser eigenes Ausbildungszentrum, je nach ihren Talenten und Begabungen. So haben schon 35 Kinder eine Berufsausbildung abgeschlossen und eine Anstellung gefunden. Ein Kind mit einer besonderen (Leidens-) Geschichte ist inzwischen eine junge Frau geworden und in unserer Schule als Sekretärin angestellt. Ihre Geschichte wird unter Geetha - ein besonderes Schicksal erzählt.


Organisation des Heimes

Die Leitung der Kinder liegt in der Hand einer Gruppe von Verantwortlichen: einer Erzieherin, einer Hausmutter und dem Projektleiter. Bei Problemfällen wird der deutsche Förderverein und die Gründerin, Hella Mundhra, zur Beratung eingeschaltet. Weiterhin hat das Heim indische Mitarbeiter für die Küchen- bzw. Reinigungsaufgaben und Praktikantinnen aus Deutschland, die sich um das Wohl der Kinder in ihrer Freizeit kümmern.
Die Räumlichkeiten des Heimes sind beengt: Für alle 30 Kinder und das Nachtpersonal steht eine Fläche von 210 qm zur Verfügung. Die meisten Kinder müssen sich ein Bett mit einem anderen Kind teilen, was sie allerdings sehr gerne tun. Jedes Kind verfügt über einen eigenen Spind mit Schublade, eigene Kleider und Schuhe. Und es besitzt eventuell über eigene Sachen wie Armbanduhr, Spiele und Bücher, die sie als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke bekommen haben.


Echter Familienersatz

Das wichtigste Merkmal des Shishus besteht darin, ein echter Familienersatz zu sein. Die Kinder müssen nicht bei Erreichen einer bestimmten Altersstufe das Heim verlassen, wie es allgemein üblich ist, sondern erst wenn sie auf eigenen Füßen stehen. Selbst danach ist eine Rückkehr bei schweren Konfliktsituationen vorübergehend möglich. Sie haben dementsprechend im Shishu ein Rückrat gefunden, das sie auf das Leben vorbereitet und notfalls auch weiter unterstützt. Die Sicherheit und Geborgenheit, die sie in ihren eigenen Familien schmerzlich vermissen mussten, erfahren sie im Shishu. Es ist deshalb nur verständlich, dass etliche Kinder ihre berufliche Ausrichtung auf das Heim bzw. die Shishu Mandir-Schule abstellen.

Wenn ein Kind ein besonderes Talent erkennen lässt, unternimmt das Heim alle Anstrengung, dieses Talent zu fördern. Viele Kinder bringen nicht viel Lernfähigkeit mit. Bei ihnen ist es umso erfreulicher, wenn sie ein Talent wie Tanzen, Malen, Stricken oder Sticken und dergleichen erkennen lassen. Damit ernten sie einerseits Anerkennung und lernen ihr fehlendes Selbstwertgefühl zu verbessern und können andererseits eventuell auch einen wünschenswerten Nebenverdienst sicherstellen. In jedem Falle sollen die Kinder eine weitestgehende Förderung ihrer angeborenen Fähigkeiten erfahren.

Natürlich haben wir auch Kinder, deren frühkindliche Phase von derart traumatischen Erlebnissen überschattet ist, dass sie ein bleibendes Fehlverhalten zeigen. Diese Kinder werden professionell betreut und besonders gefördert. Sie bleiben immer problematisch, haben aber eine Chance auf ein eigenständiges Leben. In einem besonderen Fall haben wir ein Mädchen, bei dem anfangs große Zweifel an einer grundsätzlichen Ausbildungsfähigkeit bestanden, bis zum Studium zur Lehrerin fördern und ausbilden können und obendrein erlebt, dass sie Fürsprecherin für ihre Altersgenossen wurde.


Erste Hochzeiten

Seit einigen Jahren sind unsere Ältesten ins heiratsfähige Alter gekommen. So fand im Januar 2003 die erste Hochzeit eines Shishu-Kindes statt. Tina, damals 23 Jahre alt, wählte ihren Lebenspartner selbst aus und schreckte nicht zurück, als katholische Christin einen Hindu zu heiraten. Die Eltern gaben ihr ihren Segen dazu.

Eine zweite Heirat fand im Januar 2008 statt. Viji, bereits 25 Jahre alt, machte ihren Masters in Informatik und hat es damit bisher am weitesten gebracht. Sie wählte ihren Lebenspartner ebenfalls selbst, was ja in Indien noch immer nicht alltäglich ist. Sie musste sogar in eine neue Stadt ziehen, Chennai, da ihr Mann dort seine Arbeit hat. Nun nutzt sie jedes verlängerte Wochenende, um eben einmal schnell zum Shishu zu kommen.

Die "Serie" von Hochzeiten setzte sich fort mit Swami, der im Februar 2009 heiratete. Er hatte seine Frau auf Drängen seiner Mutter aus den Vorschlägen von Verwandten ausgesucht, sie einmal gesehen und sich für sie entschieden, so wie es traditionell üblich ist. Im Gegensatz zu unseren beiden Mädchen Tina und Viji bemühte sich Swami, die Hochzeitsausgaben klein zu halten, was ihm mit erbitterter Standfestigkeit gelang, sehr zum Bedauern seiner Mutter. Die Hochzeit fand in unserer Schule statt und wurde von den Shishu-Kindern mit Liedern und Darbietungen verschönt.




So ist es wohl nicht unberechtigt, das Shishu als das Zentrum für viele "verlorene" Kinder zu bezeichnen, denen es Geborgenheit und Kraft für ihr weiteres Leben gegeben hat und immer weiter gibt.

 




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Die Hauptzeremonie auf Swamis Hochzeit

 

 
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