Projekte

     Elternbetreuung

  

Die Familien unserer Schulkinder bedürfen alle einer ausgiebigen Betreuung. Sie kennen keinerlei Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und fassen die Verpflichtung einer ausreichenden Ernährung ihrer Kinder sehr leichtherzig auf. An eine Überwachung von Hausaufgaben ist selbstverständlich überhaupt nicht zu denken, und Besuche bei Verwandten und Bekannten sind in der Regel - besonders bei Familienfeiern oder Krankenbesuchen - wesentlich wichtiger als der Schulbesuch. So ist sowohl an den Kindern als auch in entscheidendem Maße an den Eltern zu arbeiten.

Im Durchschnitt werden die Eltern zu vier oder fünf Versammlungen im Jahr eingeladen. Obwohl die Teilnahme freiwillig ist, müssen sie ihre Anwesenheit mit Unterschrift belegen, um die Wichtigkeit dieser Besprechungen zu erkennen. Inzwischen haben wir eine Besuchsrate von knapp 100 Prozent und sogar Väter kommen zur Besprechung. Häufig ist solch ein Elternnachmittag mit der Vorführung eines kleinen Tanzes oder Dramas verbunden, und bei besonderen Anlässen gibt es ein Essen für die gesamte Elternschaft.

Sich der eigenen Verantwortung bewusst werden

Hauptthema der Besprechungen ist immer wieder ihre eigene Verantwortung ihren Kindern gegenüber. Die meisten Eltern haben die Haltung angenommen: “Die Schule wird das schon regeln”, da die Schule wirklich sehr viel Verantwortung trägt. Ihr Anteil bleibt dennoch bestehen, da keine Schule ein Kind fördern kann, das nicht regelmäßig zur Schule kommt. So wird ihnen jedes Mal erneut die Litanei ihrer Vergehen vorgehalten, was Herr Anand, der Schul- und Projektleiter, meisterhaft kann, so dass die Zuhörer sie beschämt schmunzelnd akzeptieren. Aber auch Diskussionen, meist von Seiten der Väter, kommen auf. Und kritische Fragen: Beispielsweise warum ein Kind zur Strafe nach Hause geschickt wird, obwohl die Lehrer wissen, dass beide Eltern auf der Arbeit sind? Dementsprechend sei das Kind nicht gut aufgehoben und versäume obendrein den Unterricht. Die Logik ist unbestreitbar. Doch manchmal sind solch drastische Maßnahmen notwendig, um die Eltern aufzurütteln - was leider mit einfachen Mitteln nicht immer erreicht wird.

Eine Hauptlast der Familien sind die unendlichen Schuldenberge, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Sie entstehen einerseits durch die unsagbare Unterbezahlung ihrer Arbeit und andererseits auch durch die Alkoholabhängigkeit der Väter, die den mühsam erarbeiteten Lohn in Alkohol umsetzen und obendrein einen Teil des Lohnes der Frau beanspruchen. Um die Kinder wenigstens minimal zu ernähren oder aus anderen zwingenden Gründen werden dann Schulden gegen hohe Zinsen aufgenommen. Es ist ein Circulus vitiosus, der diese Menschen in Abhängigkeit von anderen bringt.

Die Schule hat deshalb ein Sparsystem für die Kinder eingeführt, das begeistert aufgenommen wurde. Da die Familien durch die Unterbringung ihrer Kinder in unserer Schule riesige Summen sparen - allein schon für das Essen und die Kleidung, ganz abgesehen von der Schulbildung - sind sie angehalten worden, einen Betrag ihres Ermessens monatlich auf den Namen des Kindes einzuzahlen. Die Gelder liegen mindestens fünf Jahre fest, auf jeden Fall bis zum Abschluss des Schulbesuchs. Am Ende der Schulzeit hat sich ein ansehnlicher Betrag angesammelt, der dem Kind für etwaige Ausbildungszwecke hilft.

Auch andere Themen wie Hygiene, AIDS, gesunde Ernährung, angemessene Bestrafung der Kinder ohne körperliche Züchtigung, Erziehung zur Ehrlichkeit, Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen, eigene Wahl des Lebenspartners etc. werden durch unseren Sozialarbeiter behandelt. Ob es hilft???


Wir bleiben optimistisch.
Sicherlich ist eine tief greifendere Umorientierung erst bei der Generation der Kinder zu erwarten. Doch sind auch einige Eltern erziehbar...

 




Die Frauen müssen oftmals hart im Steinbruch arbeiten
 
Herr Anand im Gespräch mit den Eltern
 
Frauen können sich ein kleines Geschäft aufbauen
 
Frau mit einer Straßen-Kantine

 

 
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