Hausbauten im Dorf
Im Jahr 2004 erhielten wir überraschenderweise eine Sonderspende von 1000 Euro zur allgemeinen Verwendung für die Armen im Dorf. In diesen Vierteln schreit einem das Elend nur so entgegen. Wo sollte man also anfangen? Obwohl so viele Dinge nach Veränderung verlangten, fiel die Wahl leicht: Die Familie eines Schulkindes, die unter Plastikplanen lebte und deren wackeliges Gestell jederzeit zusammenbrechen oder mit ihnen davonfliegen konnte, sollte ein festes Dach über dem Kopf bekommen. Ihre Lebensverhältnisse waren zu menschenunwürdig, als dass man sie länger ertragen konnte. Bedingung war, dass die Familie in Eigenarbeit, oder mit Hilfe von Nachbarn und Verwandten,die baulichen Arbeiten verrichten würde. Das Shishu wollte ihnen dann die Materialien im Werte von 1000 Euro zur Verfügung stellen.
Das Haus entstand in kürzester Zeit
Nachbarn, Freunde und Verwandte hatten mit Hand angelegt, und es entstand nicht nur ein Eigenheim von 25 qm in kürzester Zeit, sondern auch eine Solidarität im Dorf zugunsten dieser armen Familie. Nie mehr sollten sie in der Monsunzeit ganze Nächte durchnässt aneinander gekauert verbringen, nie mehr sollten ihre paar Habseligkeiten vom Regen durchweicht werden, und nie mehr sollten sie im Haus um ihr Leben zittern müssen. Die Freude und das Glück waren so groß, dass man es in Deutschland wahrnahm.
So kamen weitere Sonderspenden und weitere und weitere. Inzwischen haben 22 Familien
ein festes Haus, meist in Eigenregie, erhalten. Fünf dieser Häuser baute Werner Dahlmanns, der als Hobbymaurer und Verfechter ökologischer Ideen “seinen” Häusern einen eigenen Stempel aufdrückte. Das erste Haus, Yasmins Haus in Battarahalli, erhielt ein Vordach über einer eingebauten Steinbank zum Verweilen vor dem Haus, einen Waschstein und einen ökologischen Herd, der nur ein Drittel der üblichen Holzmenge benötigte. Alle von Werner Dahlmanns gebauten Häuschen hatten eine oder mehrere solcher ökologischer Besonderheiten: sei es mehr Licht durch durchsichtige Ziegel im Dach, halbhohe Innenwände, um mehr Ventilation zuzulassen, oder eine Regenwasserableitung in eine Tonne, um Wasser zum Putzen oder Bewässern zu erhalten. Seine größte Errungenschaft besteht in seiner strikten und konsequenten Ablehnung von Asbest als Dachmaterial, das immer noch allgemein benutzt wird.
Um solche großen Zuwendungen wie ein eigenes Haus den Bedürftigsten einer Dorfgemeinschaft zukommen zu lassen, wurde inzwischen eine Bauordnung erstellt, ebenfalls von Herrn Dahlmanns angeregt. Danach ist es einer Kommission übertragen, die Bedürftigkeit zu prüfen und die Berechtigung auf ein Shishu-Haus festzulegen. Grundsätzliche Voraussetzung ist, dass die Familie ein Baugrundstück besitzt.
Die bisher gebauten Häuser sind der Anfang einer Entwicklung im Dorf, die auf eine bessere Lebensweise hinzielt. Mit dem Grundstock, ein "festes Dach über dem Kopf" zu haben, fing es an. Weitere Einrichtungen/Maßnahmen wie Gemüsegärtchen, Regenwasserauffang-anlage, Toiletten im Haus, bessere Ventilation, ökologische Materialien wie Lehm anstatt Zement, Solarenergie etc. sind unser Ziel, um diesen Menschen auf ihrem Niveau ein bisschen Lebensqualität zu ermöglichen und eine gesündere Lebensweise auf ökologischer Basis in den Dörfern (wieder) einzuführen.
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