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     Unser Ausbildungszentrum

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Seit Januar 2008 ist das Gebäude fertig gestellt: ein zweistöckiger Bau mit einer Grundfläche von 478 qm, der fünf großflächige Hallen und neun Arbeits- bzw. Klassenräume umfasst. Das Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule auf dem gleichen Gelände. Im Abstand von sechs Monaten wird jeweils ein neuer Kurs mit einer Dauer von sechs Monaten beginnen.

Der Lehrkörper besteht aus der Leiterin des Ausbildungszentrums, Frau Neeraja, einer dynamischen jungen Frau, die seit 2002 als Lehrerin in unserer Schule unterrichtet hatte und den jeweiligen Fachausbildern. Wir haben zurzeit

  1. einen Ausbilder für die Schlosserei
  2. einen Ausbilder für Elektrik
  3. eine Ausbilderin für den Näh- und Stickkurs
  4. einen Lehrer für den Computerkurs
  5. eine Lehrerin für Englisch und allgemeine Lebensführung
  6. einen Lehrer für Sport, Musik und handwerkliches Arbeiten

Daneben gehört noch ein Sozialarbeiter zum Personal des Ausbildungszentrums.

Die Kursstrukturen und Prüfungsziele übernehmen wir vom 'Community College' in Chennai, das unter der Leitung des Jesuiten Dr. Xavier Alphonse auf eine jahrelange Erfahrung zurückschauen kann. Empfehlungen hinsichtlich Ausrüstung und Unterrichtsmaterialien werden ebenfalls von dort vorgegeben.

Unser Ziel ist es, allen Jugendlichen unseres Ausbildungszentrums eine solide Grundlage ihres Fachgebietes zu vermitteln und daneben wichtige Fertigkeiten wie englische Sprachkenntnisse und ein angemessenes Selbstbewusstsein aufzubauen. Die fachliche Kompetenz erhalten sie durch theoretischen und praktischen Unterricht, was in Indien allgemein unüblich ist. Man lernt durch Beobachten und Nachahmen, nicht mit theoretischen Grundlagen. Neben ihrem jeweiligen Hauptfach, also Schneiderei, Schlosserei, Elektrik, Computer und eventuell noch zwei weiteren Bereichen, haben die Jugendlichen auch Unterricht in Englisch, allgemeiner Lebensführung, Computergrundlagen, Sport und Kunst. Sie erhalten eine Rundumerziehung. Da sie in ihrem bisherigen Schul- und Lebensalltag nur autoritäre Formen erlebt haben, die keinen Raum zur eigenen Entfaltung bieten, sind sie verschüchtert, ohne eigene Meinung und absolut obrigkeitshörig. In unserem Ausbildungszentrum lernen sie, Strategien zu entwickeln und selbständig zu arbeiten. So erleben wir immer wieder, dass Jugendliche bei der Aufnahme nur mit niedergeschlagenen Augen und verschränkten Armen antworten und schon nach einigen Wochen ihrem Gegenüber frei ins Gesicht sehen und eventuell sogar lächeln können. Sie bestätigen selbst, dass die diese Art des Umganges mit Respekt und Höflichkeit noch nie erlebt haben.

Der erste Kurs, ein Nähkurs, wurde im Januar 2008 gestartet, da wir sowohl die nötige Ausrüstung als auch eine Ausbilderin hatten. Er begann mit 16 jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren, die alle einen sehr unterschiedlichen Bildungsstand besaßen, von der 4. bis zur 12. Klasse. Ihr jeweiliger Fachunterricht findet in der Muttersprache der Jugendlichen statt, der übrige Unterricht auf Englisch. Die Auswahl der Auszubildenden treffen unsere Sozialarbeiter, die die umliegenden Dörfer besuchen und dabei einen Übersichtsplan der gesamten Sozialstruktur dieser Dörfer erstellt haben.

Zum Einstieg in den Computerunterricht fand in den Sommerferien 2008 ein zweimonatiger Computerkurs statt, an dem 20 Jugendliche teilnahmen. Seit Juni 2008 haben wir 4 Computerkurse, 4 Schlossereikurse, 4 Nähkurse und 1 Stickkurs abhalten können. Für Januar 2011 ist ein zusätzlicher Holzverarbeitungskurs geplant.

Am Ende jedes Kurses werden die Jugendlichen einer schriftlichen Prüfung unterzogen, in der sie ihr Grundwissen beweisen müssen. Selbst wenn diese Prüfung kein allzu hohes Niveau hat, müssen die Jugendlichen sich doch wieder an regelmäßige Arbeitsweise, Erfüllen von Hausaufgaben, Durchhalten bei Problemen und Konflikten gewöhnen, die ihnen in der Regel in den Jahren zuvor abhanden gekommen sind. Auf Grund dieser neu gewonnenen Qualitäten finden die meisten eine bezahlte Arbeitsstelle, wenn auch selten auf 'ihrem Fachgebiet', aber in irgendeinem Betrieb oder einer Firma. Bis zu diesem Zeitpunkt werden sie von unseren Sozialarbeitern und auch der Leiterin des Ausbildungszentrums regelmäßig begleitet bzw. unterstützt. Und selbst nach ihrem Ausscheiden bleiben viele in Kontakt mit uns und geben uns wertvolle Rückmeldungen hinsichtlich der Erfordernisse in den verschiedenen Betrieben.

Um unsere Arbeit und den Unterricht noch besser zu strukturieren und zu vermitteln, wünschen wir uns sehr, deutsche Facharbeiter auf den genannten Gebieten für einige Monate hier im Zentrum zu beschäftigen. Dazu sind Grundkenntnisse der englischen Sprache notwendig. Eine Zusammenarbeit mit den weniger erfahrenen Ausbildern wäre ein großer Gewinn - und nicht nur auf indischer Seite!

Trotz vieler Schwierigkeiten, die jeder Lehrbetrieb am Anfang zu überwinden hat, können wir einige große Erfolge verzeichnen, nämlich einigen Jugendlichen ohne Zukunftsperspektive den Weg zurück in die Gesellschaft geebnet zu haben. Das macht uns glücklich.

Hella Mundhra
November 2010






Ausbildungszentrum von außen
 
Ausbildung Jugendlicher im Nähen
 
Schneiderkurs
 
Computerkurs
 
Ausbildung Jugendlicher im Ausbildungszentrum

 

 
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