Liebe Hella,

ich bin nun schon wieder eine Woche in Deutschland und habe ziemliche Anpassungsschwierigkeiten, da ich mich gedanklich immer noch in Indien befinde. Der Abschied fiel mir sehr schwer, und die Freude, wieder zu meiner Familie zu kommen, war sehr überlagert vom Abschiedsschmerz. Die Kinder im Heim und auch in der Schule, sowie meine Arbeitskollegen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Alles war mir so vertraut, so dass ich am liebsten in Indien geblieben wäre.

Ich war zum Schluss noch etwas über eine Woche in Kerala, um mich vor der Abreise etwas zu erholen. Die letzten beiden Tage verbrachte ich dann noch mit den Kindern im Heim, stellte mit ihnen alles fertig, was ich vorher nicht mehr geschafft hatte. Auch in der Schule arbeitete ich bis auf die letzte Minute, da alle Klassen von der Prep A bis zur 10. Klasse bei mir Unterricht hatten. Mir machte der Unterricht viel Freude, da die Kinder so motiviert und unglaublich interessiert waren. Auch im VTC arbeiteten wir bis zum Schluss auf Hochtouren und konnten am letzten Tag noch Socken, Kinderpullover und Püppchen fertig stricken. Zu den Auszubildenden im VTC hatte ich ein besonders intensives Verhältnis, da ich doch nahezu täglich bei ihnen unterrichtete. Und rückblickend muss ich sagen, dass sie auch viel gelernt haben - von den Schneiderinnen und teilweise von der Computerklasse haben fast alle das Stricken und Häkeln gelernt und mehr oder weniger schwierige Sachen hergestellt.

Die Flötenklassen machten auch schnelle Fortschritte. Eine Schülerin kann mittlerweile alle Noten und somit jedes Lied spielen. Der andere Schüler, der auf dem gleichen Level spielte, unterbrach unseren Kurs leider vor Weihnachten, da er zeitgleich Basketballtraining hatte. Nach Weihnachten bekam ich 3 neue Schüler aus der 8. Klasse dazu, die auch sehr schnell vorankamen. Für die jüngeren Kinder (Lakshmi, Ruth, Kavya, Kavitha, Sandya) hatte ich leider in der Schule keine Zeit, sie unterrichtete ich an meinem freien Tag im Heim. Doch auch sie machten Fortschritte, und hatten viel Freude beim Spielen. Besonders Lakshmi war sehr eifrig und mit Freude dabei, und sie konnte sich für eine begrenzte kurze Zeit auch gut konzentrieren. Auch das Flöten unterstützte ihr Selbstwertgefühl ein wenig. Ich bin glücklich, dass Verena die Flötenstunden jetzt weiterführen kann. Besonders in den Sommerferien wird sich Zeit finden, die Kinder im Heim häufiger zu unterrichten. Viele Kinder sind daran interessiert, aber ich hätte nie gedacht, dass so wenig Zeit zum Unterrichten bleibt.

Zum Schluss noch einmal vielen Dank dafür, dass du mir ermöglicht hast, die unvergesslichen Erfahrungen und Erlebnisse in Indien zu erhalten. Ich bin wirklich so dankbar, dass ich in meinem Alter - immerhin schon 52 ! - noch einmal die Möglichkeit dazu hatte. Es hat mein Leben nun doch noch einmal anders geprägt und es war für mich eine sehr intensive, wertvolle Zeit, die ich nicht missen wollte.

Liebe Grüße und alles Gute

Anne,
24.03.2010

 

 
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